Viele von uns wurden erzogen von einer partiell dementen Generation die ihre Traumata wie einzelne Kapitel aus dem Buch ihres Lebens heraus gerissen hat.

Das soll nicht abwertend klingen, sondern lediglich die traurige Tatsache ansprechen, dass der Großteil von uns mit Eltern oder Großeltern aufwuchs, die wenig bis gar nicht über ihre Kindheit, den Krieg, die furchtbar autoritärer Erziehung, in der Gewalt gegen Kinder üblich war und in der Hungersnot und Armut an der Tagesordnung standen, sprachen.

Kaum eine Frau der letzten Generationen berichtete über das Leid das in ihr und den Nachkommen entstand, durch Vergewaltigungen, den Verlust eigener Kinder oder ihrer Männer im Krieg oder durch den Alkohol.

Erst jetzt beginnen immer Opfer durch #metoo Aktionen ihr Schweigen zu durchbrechen, doch auch das kostet enorm viel Kraft und öffentlichen Rückhalt.

Weder das eine, noch das andere hatten unsere Grossmütter. Damals war es ein „allgemeines Schicksal“, das beinahe jede Frau betraf. Keine von ihnen bekam eine Psychotherapie, geschweige denn ein mitfühlendes und offenes Ohr.

Das Schicksal traf jede Frau damals auf ihre Weise und so gab es kaum Platz und Raum für individuelle Geschichten, die aufgearbeitet werden konnten.

Kein freies Ohr…

Aber auch Männer sprachen nicht über die Gräuelttaten, die sie mit ansehen mussten, zu denen sie gezwungen wurden oder selbst ausübten und schwiegen sich stattdessen meist die Sinne mit Spirituosen taub.

Alkohol hinter lässt den Trugschluss des Vergessens, genauso wie das Schweigen.

Was blieb übrig?

Ein biografisches Puzzle mit fehlenden Teilen, das es für nachkommende Generationen unmöglich machte, ein gesamtes Bild der Familienidentität zusammen stellen zu können.

Das Ergebnis ist eine bruchstückhafte Biografie und die ewig quälende Fragen nach dem „Wer bin ich?“ und „Warum bin ich so, wie ich bin?“, „Warum sind meine Eltern so, wie sie sind?“

  • Wer waren meine Großeltern?
  • Welche Erlebnisse und Verluste erlitten sie?
  • Wovon träumten sie?
  • Welchen Preis mussten sie dafür bezahlen?
  • Wie empfanden sie ihre Kindheit?
  • Wo komme ich her?

Diese Fragen müssen Antworten finden dürfen.

Ohne Antworten bleibt eine Leere, die das Schweigen niemals erfüllen kann.

Diese Fragen müssen gestellt und nicht länger betäubt werden.

Betäubt durch Drogen, Medikamente, Konsumsucht, Sportflucht, Alltagsstress, Depressionen, Scheidungen oder Gewalt.

Ich bin davon überzeugt, dass zahlreiche Probleme der Menschen in der heutigen Gesellschaft darauf zurück zu führen sind, dass das Leid, die Traumata und der Schmerz früherer Generationen nicht ausreichend aufgearbeitet und kommuniziert wurden.

Gezielte und reflektierte Beachtung der Ahnentraumata enthüllt die Freiheit, das Glück und die innere Zufriedenheit, nach der wir uns alle sehnen.

Denn wer von uns kann nachvollziehen, warum der Großvater trank und depressiv im Wohnzimmer saß, ohne seine Geschichte zu kennen?

Wir neigen dazu, zu verurteilen, vor allem uns selbst, wenn irgendetwas in unserem Leben nicht klappt, schief läuft oder wir nicht in die perfekte Schublade passen.

Aber genauso, den anderen als Schuldigen zu sehen, solange, bis wir seine Geschichte erfahren, uns auf ihn einlassen, ihm ein Ohr schenken und unser Mitgefühl zulassen.

Vergebung findet dann statt, wenn wir einen Einblick in die biografischen Hintergründe einer Person erhalten.

Das bedeutet nicht, dass wir deren Verhalten legitimieren, sondern vielmehr, dass wir einen Raum der Begegnung in einer versöhnenden Haltung zulassen können.

Neulich lauschte ich einem bewegenden Vortrag einer Psychotherapeutin und las später in ihrem Buch: Traumasensible Paartherapie, Dr. KLESS, dass der Großteil ihrer Patienten, meist Paare, deshalb in stark destruktiven Beziehungen leben, weil sie in ihrer Kindheit von großteils durch den Krieg traumatisierten Eltern großgezogen wurden.

Die Autorin untersuchte und erforschte über 3000 Paare und stellte folgendes fest:

Die unverarbeiteten Ereignisse der Kindheit, die meist von Gewalt und großer Angst begleitet waren, enthüllen ihren Schrecken, sowie deren negativen Auswirkungen, meist im Erwachsenenalter.

Und zwar genau dann, wenn man in naher Beziehungen mit jemandem lebt.

Z.B genau dann, wenn der Ehemann wieder einmal zu spät aus dem Büro nach Hause kommt, obwohl man so schön gekocht hatte, der zwei-Jährige partout nicht schlafen gehen will und die Nachbarin fragte, wann wir doch endlich den versprochenen Tupperware Abend veranstalten und ob wir noch immer in dasselbe Fitnesstudio gehen, um die Schwangerschaftspfunde, die nach wie vor zu erkennen sind, abzutrainieren, weil sie hätte auch Interesse daran, dorthin zu gehen- aber nur wenn’s wirklich hilft.

Just in diesem Moment fangen wir entweder an lauter zu werden, zu weinen, zu mauern oder anzugreifen.

Wir haben uns in Situationen, die uns stark fordern, meist nicht im Griff.

Denn in diesen Momenten schaltet sich (ich erspare uns an dieser Stelle die Fachbegriffe und Theorie und mach es simpel) unser „Denkhirn“ aus und das „Emotionsgehirn“ ein. Wir sind „getriggert“. Das bedeutet, dass unser Emotionalhirn sich plötzlich an alte, unangenehme Situationen erinnert und wir die gleichen negativen Emotionen wie damals fühlen.

Da Emotionen meist irrational sind, brechen sie auch unkontrolliert aus uns heraus und geben Vollgas.

Da wird der Ehemann gemieden, das Kind angeschrien und die Nachbarin als „blöde Kuh“ bezeichnet. Am Ende fühlen sich alle schlecht, vor allem Mama.

Was ging in Mama vor?

Mamas Emotionshirn erinnert sich (unbewusst)noch sehr gut daran, dass sie als Kind immer ihre kranke Mutter pflegen musste und ihr Vater, wenn er mal zu Hause war, sie stets ignorierte, nie lobte oder auch nur einmal Danke sagte.

Ihr Emotionshirn erinnert sich auch noch gut daran, als ihre Mama verstarb und sie täglich alleine im Zimmer saß und die Welt nicht mehr verstand.

Als ihr Vater wieder heiratete und noch zwei Kinder bekam, fühlte sie sich als Aschenputtel des Hauses.

Abends aß sie übermäßig viel, sodass sie auch in der Schule wegen ihres Übergewichtes gemobbt wurde.

Jetzt, wenn sie, nachdem sie das Haus geputzt, frisch gekocht und mit dem Sohn, den ganzen Tag am Spielen war, erlebt, dass ihr Mann ohne Bescheid zu geben später nach Hause kommt und ihr Sohn ihr nicht mal abends etwas Ruhe gönnt und zu allem Überdruss auch noch die Nachbarin von ihr Figur-Perfektion fordert, ist das Fass übergelaufen.

Mama kippt in die Emotions-Zeit zurück, in der sie ein kleines Kind war und die Gefühle von damals sind im Jetzt plötzlich so lebendig, wie ein Fussballfan zur Weltmeisterschaft.

Zum Leidwesen ihrerselbst und ihrem Umfeld. Denn weder der Ehemann, noch der Sohn oder die Nachbarin, können erahnen, was in ihr vorgeht.

Meist sie selbst ebenso wenig, was die Tragik des ganzen Spiels ist.

Mama ist bewusst nicht in der Lage zu erfassen, was in ihr vorgeht und warum sie sich im Moment so schlecht fühlt. Sie kann nur nach dem urteilen was im jetzt geschieht. Und das ist, aus ihrer Sicht, ziemlich eindeutig.

Die Ursache für ihren Schmerz ist in erster Linie ihr unverständlicher und absolut unzuverlässiger Ehemann, der einfach nie Rücksicht auf ihre Gefühle nimmt.

Aber genau danach sehnt sich Mama. Schon so lange. Nach dem einen Menschen der sie ehrt, wertschätzt und auf Händen trägt.

Das kann, so denkt Mama, niemals ihr Ehemann sein. Denn dieser wertschätzt durch sein permanentes zu spät kommen, ihre Bemühungen nicht.

Ihrem Sohn gegenüber hat sie Schuldgefühle und der Nachbarin kann sie aus dem Weg gehen, aber der Ehemann, der muss nun ganz klar abgemahnt werden und zwar deutlich. Also, trennt sie sich. Zieht mit ihrem Sohn in eine gemütliche drei Zimmer Wohnung und denkt: „wenigstens dich kann ich noch dazu bekommen, mich wertzuschätzen.“ Und so beginnt sie eine überaus leidenschaftliche und sehr engagierte Mama zu werden. Sie geht zu jedem Elternabend, ist sogar im Beirat, backt frisch, erzieht ihren Kleinen mit Perfektion, kennt jeden Ratgeber, lässt ihren Sohn nie aus den Augen, bringt ihn zur Ergotherapie, in den Schwimmkurs, zur Musikgruppe und sie legt sich mit jeder Mama an, die es wagt, sie zu kritisieren. Die perfekte Helikopter Mama ist geboren.

Irgendwann erlebt Mama dann, dass ihr Sohn ein ziemlich aufmüpfiger und in ihren Augen sehr undankbarer Teenager geworden ist. Sie sitzt um Mitternacht auf dem Sofa und wartet bis er nach Hause kommt, um ihm genau das vorzuwerfen, was sie damals auch ihrem Vater, später ihrem Ehemann vorwarf: „ Für dich bin ich nur Luft. Du hast stets nur anderes im Kopf. Dich interessiert es überhaupt nicht wie es mir geht. Du bist genauso ignorant wie dein Vater.“

Der Sohn versteht die Welt nicht mehr. Ist er doch ein gesunder Teenager, der in die Welt hinaus zieht, um sie zu entdecken und zu erobern.

Mit 19 zieht er von zu Hause aus und macht eine Weltreise, ehe er in Singapur beginnt zu studieren.dein Vater besorgte ihm den Studienplatz. Schweren Herzens geht er, weiß er doch, wie sehr seine Mutter nun leidet. Aber er spürt in sich, dass er weiter ziehen muss.

Nun ist Mama alleine.

Schon wieder.

Sie hatte mal ein, zwei Affären, jemand aus dem Internet, aber nichts auf Dauer. „Irgendwie wusste sie keiner so richtig zu schätzen und auf Männer ist sowieso kein Verlass.“

Sie denkt, begleitet von einer hartnäckigen Depression und einem knackigen Burn Out: „Ich bin sowieso jedem egal.“

Manchmal überlegt sie nach Indien in ein Ashram zu gehen, eine ihrer Freundinnen aus der Facebookgruppe für Alleinerzieher machte das und sieht, wenn man ihr Profil durch forstet, irgendwie glücklich aus, in ihren grünen Leinenhosen und den Schnürsandalen…vielleicht gibt es dort ja Männer, die sie wirklich erkennen und endlich ihre Sehnsucht stillen…

Übrigens: Ihr Exmann hat wieder geheiratet. Diesmal eine sehr reflektierte Frau, mit der er seit Beginn ihrer Beziehung vor 14Jahren regelmäßig zur Paartherapie geht. Dort analysieren Sie Ihr Paarverhalten, die Biografie der Eltern und Ahnen und bekommen so ein tiefes Verständnis dafür, warum der Partner auf manches empfindsamer reagiert. Beide sind sehr glücklich miteinander.

Wie man es dreht und wendet, es gelingt nur durch Hinsehen und Kommunikation ein gesamtes Bild der eigenen Identität und Biografie zu erstellen, die einem im Leben nicht nur Halt und Sicherheit geben kann, sondern auch sehr viel Leid und Umwege erspart.

Welche Geschichten verbergen sich also in den Lebens Geschichten unserer Ahnen? Welche Geschichten haben wir als Kind demnach erlebt?

Und welchen Einfluss haben sie auf unser Leben heute?

Die Art und Weise, wie wir unser Leben und vor allem, die Beziehungen zu unseren PartnerInnen und Kindern führen, ist ein direkter Spiegel der Erlebnisse, die wir als Kind hatten, folglich auch vielfach unsere Ahnen.

Wenn die eigene Großmutter vergewaltigt wurde und auf der Flucht, eines ihrer Kinder verlor, ihr Mann nie wieder aus der russischen Gefangenschaft zurück kehrte und sie ihre zwei Töchter alleine groß ziehen musste, dürfen wir uns nicht wundern, warum es einer ihrer Töchter so schwer fällt, glücklich und ausgelassen zu sein.

Meist ist die Tochter depressiv, ängstlich und schüchtern. Sie engagiert sich so sehr mit ehrenamtlichen Jobs in der Gemeinde und Kirche, dass sie nie wirklich für ihre eigenen Kinder da sein kann. Sie ist irgendwie immer überreizt, „auf der Flucht“ und fängt jedes Mal einen Streit mit ihrem Mann an, wenn er mal für ein paar Tage alleine mit seinen Freunden in die Berge will.

Sie ist so ängstlich, dass sie ihre Kinder nicht einmal auf einen Baum klettern lässt. Überhaupt, sobald sie krank sind, flippt sie aus, muss sofort zum Arzt und lässt die Kinder nicht mehr aus den Augen. Ihre eigene Mutter war eine sehr harte Frau, sie hatte nie ein Lächeln oder ein liebes Wort für die Kinder übrig und wollte, dass „aus ihnen etwas anständiges wird.“

Nie sprach sie über den Tod ihres Mannes, die Kriegserlebnisse oder das verlorene Kind. Die Töchter haben sich am liebsten vor ihr versteckt, denn sie war ihnen unheimlich und manches Mal rutschte ihr die Hand aus. Sie selbst dachte als Kind immer: „irgendwas muss an mir falsch sein, dass Oma mich nicht mag.“

Anhand dieses Beispiels erkennen wir die Verstrickungen und Ketten der Ahnen. Wenn wir nicht um deren Biografie wissen, sind wir dazu geneigt, weder sie, noch uns selbst zu verstehen, zu vergeben oder raus aus der Schuldfrage zu kommen. Wir fühlen uns irgendwie fremd in unsere Haut und wundern uns, warum die Dinge in unserem Leben sich immer und immer wiederholen. Wir können uns weder die Depressionen noch die nagenden Selbstzweifel erklären und suchen oftmals an den falschen Stellen nach den Ursachen.

Wenn wir erforschen wollen, wer wir, warum geworden sind, ist es wichtig sich auch folgende Fragen zu stellen:

  • Gab es schwarze Schafe in der Familie?
  • Verloren gegangene, vielleicht sogar verstoßene Kinder?
  • Wurde ein Kind abgetrieben, tot geboren oder verloren?
  • Wieviele gefallene Familienmitglieder gibt es?
  • Wer musste fliehen und verlor dabei alles?
  • Wie viele Trinker gab es?
  • Wie viele Schläger?
  • Wer wurde verfolgt, aufgrund von Homosexualität?
  • Heirateten sie aus Liebe?
  • Mit welchen Nöten hatte meine Familie zu kämpfen?

Die eigene Freiheit war lange Zeit etwas bedrohtes.

Und genau deshalb wurde oftmals auch geschwiegen.

Wenn wir uns nun befreien wollen, müssen wir unsere Ahnen aus den Ketten des Schweigens befreien und Ihnen Aufmerksamkeit zu kommen lassen.

In meine Praxis kommen Menschen die, wie sie sagen: „schon überall waren. Auf Seminaren, in Kursen, in Therapien und Coachings, doch irgendwie schien nichts wirklich nachhaltig zu helfen.

Oberflächlich, ja. Doch tief in Ihnen selbst, vor allem, wenn sie alleine mit sich waren, fühlten sie sich noch immer leer, wertlos, unbeachtet und nicht geliebt.

Viele fragen sich, warum sie nicht in der Lage sind, Erfüllte Beziehungen zu leben, Fülle zu erschaffen, in genau dem Job zu arbeiten, der sie erfüllt oder den Kindern gegenüber, obwohl man es immer anders als die Eltern machen wollte, genauso sind, wie die Eltern damals.

Wieso gelingt es so vielen nicht, Emotionen zu zeigen, über Gefühle zu sprechen, andere und sich selbst mit Respekt und würde zu behandeln?

So viele Fragen quält eine ganze Nation und die Antworten sind simpel.

Auch Fundierte Wissenschaftliche Studien zeigen mittlerweile auf:

die Biografie unserer Ahnen hat eine direkte Auswirkung auf unser eigenes Leben.

Viele wollen es nicht wahrhaben und tun diese Tatsache nach wie vor als esoterisches Gerede ab, doch die Wahrheit sieht anders aus.

Welche Auswirkungen haben Traumata auf unsere Partnerschaft:

Traumatisierte Menschen tendieren dazu, vor allem im Affekt, ihre Kinder weiter zu traumatisieren. Und genau das lässt sie an sich selbst noch mehr zweifeln, als zuvor. Denn nirgendwo sind wir so verletzlich, als in der Elternrolle.

Wenn man selbst geschlagen wurde, neigt man eher dazu, im Affekt, auch wenn man es niemals wollte, ebenso zu schlagen. Auch wenn man es niemals wollte. Der Affekt ist stärker, lässt sich ohne Therapie oder Reflexion nicht kontrollieren.

Menschen denen Gewalt angetan wurde oder die Zeuge von Gewalt wurden und diese Erlebnisse nie ausreichend verarbeiten konnten, reagieren in affektiven Situationen ähnlich gewalttätig wie die Täter von damals. Gewalt bedeutet auch, seelische Gewalt, in Form von stark autoritärer Erziehung, Ignorieren, Mauern, den anderen herab lassend behandeln und Lieblosigkeit.

Destruktive Partnerschaften haben ihre Ursache darin, dass zwei Menschen mit unterdrückten oder verdrängten Erlebnissen aus der Kindheit oder frühen Adoleszenz aufeinander prallen.

Die eingegrabenen Dinosaurier der frühen Kindheit treten aus den Tiefen und beginnen gegeneinander zu kämpfen.

Und das kennt jeder von uns.

Nicht nur aus Beziehungen.

Bist du schon einmal einem Menschen begegnet, der Dir so unreflektiert und völlig aus dem Affekt heraus, Sachen an den Kopf warf, wo du dachtest: „Wovon redet dieser Mensch? Und was um Himmels WILLEN hab ich damit zu tun?“

Wann immer es eine harte Diskussion gibt, in der abfällig, geringschätzend oder mit Gewalt die eigene Position verteidigt wird, steckt ein unverarbeitetes Traumata dahinter.

Sobald sich ein Mensch angegriffen fühlt, reagiert er auf eine dieser drei Weisen.

1. er greift an (attackiert verbal oder nonverbal)

2. er flieht (weicht aus, mauert, zieht sich zurück, isoliert sich)

3. er stellt sich tot (ignorieren, erstarren, wird Handlungsfähig)

Dann ist niemand mehr in der Lage kognitiv und vernünftig zu agieren. Familien und Beziehungen werden zu Kriegsschauplätzen unverarbeiteter Konflikte und Traumata vergangener Generationen.

Irgendwann gibt es zwischen den Paaren dann eine Trennung und dann werden die Kinder über die Mienenfelder, die zwischen den Eltern liegen, geschickt. Mit schwer bepackten Rucksäcken ziehen die Kinder Wochenende zu Wochenende, mit weiß erhobener Fahne zwischen den Kriegstreibern hin und her und werden oftmals als Boten missbraucht.

„Sag Mama ruhig, dass sie damit aufhören soll, vor Gericht Unterhalt einzufordern, ihr steht nämlich nichts zu.“ Wenn die Botschaft überbracht wurde, erklärt Mama: „ Sag du Papa ruhig, dass ich nicht klein bei geben werde, um die teuren Urlaube für ihn und seine neue Liebschaft zu finanzieren. Das Geld steht mir zu.“ Hat Kind auch diese frohe Botschaft überbracht, zieht es sich mehr und mehr zurück, schreibt schlechte Noten, geht kaum noch raus und spielt am liebsten Mincraft.

Nach einigen Wochen kommt Mama aus ihren Yogaurlaub auf Ibiza mit einem jüngeren Mann nach Hause, von dem sie sagt, dass er ab sofort der neue Papa ist und Kind ihn gern haben soll.

Natürlich könne Kind davon auch Papa berichten, schließlich sind alle Unterhaltsfragen nun geklärt und was er kann, kann sie schon dreimal. Kind ist sichtlich irritiert und weiß nicht wirklich wo es hin soll mit all der Verwirrung. Denn Papa hat vergangenen Monat wieder ein Baby mit seiner neuen Freundin bekommen und irgendwie ist dort nun kein Platz mehr für ihn.

Der neue Typ von Mama sieht mit seinen Gedrehten und ziemlich verfilzten Haaren auch irgendwie seltsam aus. Ob er PlayStation mag, fragt sich Kind. Als der Yogamann von Kind eingeladen wird, eine Runde mit ihm zu zocken, wehrt dieser schweigend und mit einem etwas verächtlichem Blick ab, zieht Mama zur Seite und legt ihr Nahe, Kind das Spielen auf der Konsole zu verbieten:“ das fördert weder die sozialen Kompetenzen, noch die Intelligenz und schon gar nicht das spirituelle wir- Gefühl.“ Mama, frisch verliebt, handelt unmittelbar, um Yoga- Freund zu zeigen, dass er ihr wichtig ist. Sie nimmt dem Kind also die PlayStation kommentarlos aus der Hand und lächelt ihrem Liebhaber wohlgesonnen zu.

Kind ist sauer. Richtig sauer und schreit Yoga- Mann an:“

Du hast hier gar nichts zu sagen, du bist nicht mein Papa.“ daraufhin erntet Kind Stubenarrest.

Mama ist das alles furchtbar peinlich und sie erklärt dem Yoga- Liebhaber, dass Kind normalerweise nicht so ist. Aber damit das nicht nochmal passiert, rät ihr der Yogafreund mit Kind doch mal eine Psychologin aufzusuchen, nur für den Fall der Fälle. Da Mama ihre neue Liebe nicht gefährden will, bringt sie Kind zu einer Psychologin. Was in ihren Augen sowieso überfällig war, weil es ja seit einiger Zeit mit Kind auch massive Probleme in der Schule gibt. Neulich musste Mama in die Elternsprechstunde, weil Kind anderen Schülern gegenüber aggressiv wurde und sogar die Lehrerin anmaulte, darüber hinaus, werden die Noten von Kind auch immer schlechter. Höchste Eisenbahn, dass ihm mal jemand erklärt, dass das so nicht weiter geht und erwachsene Menschen respektvoll behandelt werden müssen.

Mama ging zu einer Bindungsorientierten Traumatherapeutin. Sie wusste das nicht, geschah einfach so. Was diese jedoch heraus fand war, dass Mama hier diejenige ist, die dringend fachliche Hilfe braucht, nicht Kind. Kind geriet nur auf ein ziemlich unangenehmes Schlachtfeld, aus dem es sich nicht mehr alleine befreien konnte.

Die Therapeutin erklärt Mama, dass Kind völlig gesund ist und auch gesund auf die Situation reagierte, der es von den Eltern ausgesetzt wurde. Anscheinend dachte keiner der beiden Parteien an das Kind, vielmehr an sich selbst. Ziemlich unangenehme Situation für Mama. Wollte sie doch immer nur das Beste für Ihr Kind und hasste die Tatsache, dass ihre eigenen Eltern sie selbst nach der Trennung als Druckmittel gegeneinander aufhetzten. Wie konnte Mama das gleiche passieren? Un ein Haar hätte sie die Beziehung zu ihrem Sohn langfristig in Gefahr gebracht, war der Yogamann mit seinem Therapie- Rat doch für was gut, dachte sie.

Was hat diese Geschichte mit der Biografie der Ahnen zu tun?

Mama aus der Geschichte war Einzelkind. Ihre Eltern selten zu Hause, weil sie beruflich viel unterwegs waren. Deshalb wurde sie von Kindermädchen groß gezogen. Immer einer anderen. Mit 12 ging sie ins Internat und als sie 13 war ließen sich ihre Eltern innerhalb eines Rosenkrieges scheiden. Dabei verloren sie die Firma, die sie von den Großeltern übernommen hatten. Ihre Großeltern fanden das ganz furchtbar und enterbten sie selbst und ihre Eltern. Sie wollten mit Ihnen nichts mehr zu tun haben. Hatten sie sich doch nach dem Krieg mühsam die Firma wieder aufgebaut, die während des Krieges völlig abbrannte. Was einen schweren Verlust für die Familie darstellte. Niemals wieder sollte irgendjemand oder irgendetwas Ihnen diese Firma wieder weg nehmen. Dafür worden sie sorgen.

Ein schweres Familienerbe, an dem letzten Endes auch die Ehe zerbrach. Denn dem großen Druck der Großeltern konnten Mama und Papa nicht mehr stand halten.

Schicksale wiederholen sich in ihren eigenen maskierten Szenarien immer und immer wieder. Solange bis einer den Mut hat und hin sieht, die Zusammenhänge erkennt und eine Veränderung vornimmt.

Die von mir entwickelte Methode The Process hilft dabei, alte Traumata aufzulösen und die Ursache von aktuellen Hindernissen rasch heraus zu finden.

Katharina Pommer

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