Das Thema Bindung fasziniert Mütter und Väter, gleichermaßen, wie die Forschung.

Doch wie genau funktioniert die Bindung zwischen Eltern und Kind? Es gab ein paar kluge Köpfe, die das im letzten Jahrhundert erforschten. Konrad Lorenz und Dr. Bowlby beispielsweise. Lorenz bemerkte, dass Enten demjenigen folgten, den sie als erstes nach der Geburt, als Bindungsperson erachten, und das muss nicht die Mutter, geschweige denn eine Ente sein.

Das ließ auch beim Menschen unter anderem darauf schließen, was mittlerweile bekannt ist: Bezugsperson ist derjenige/diejenige, bei dem sich das Kind am besten und feinfühligsten betreut fühlt und das muss auch hier nicht zwangsläufig die Mutter sein. 

Welche Auswirkungen hat Bindung auf die Eltern und das Kind?

Warum bindet sich ein Kind an den einen mehr, als an den anderen?

Erwiesen und klar ist, dass Bindung einen sehr bedeutsamen und starken Einfluss auf die Entwicklung des Kindes hat.

Das unmittelbare und feinfühlige Eingehen auf die Bedürfnisse des Säuglings, sowie Zuwendung und feste Bezugspersonen geben dem Kind Urvertrauen und vor allem ein sicheres Fundament, um später im Leben glücklicher und erfüllter zu sein. 

Der Göttinger Hirnforscher Professor Dr. Gerald Hüther sagt: „Liebevolle Begegnungen innerhalb der Familie seien “die Wurzeln, mit denen sich Kinder fest im Erdreich verankern und ihre Nährstoffe aufnehmen”.

Das zeigt, wie sehr eine sichere Bindung zu den Eltern, das Lebensglück des Kindes steigert.  

Mein Ausbilder in Bindungstherapie, Dr. Brisch lehrt, dass es in der frühen Kindheit, bis zum Alter von drei Jahren, in der kindlichen Entwicklung vor allem um die primäre Bindung geht.” Auch der Ravensburger Entwicklungsexperte Dr. Herbert Renz-Polster ist sich dessen sicher. 

Die Hirnforschung beobachtet ebenso, dass Kinder, die von Geburt an erleben, dass die Welt ein sicherer Ort ist und die Menschen um es herum, fürsorglich, aufmerksam und liebevoll sind, sich glücklicher, gesünder und auch entspannter entwickeln. 

Und dabei passiert Erstaunliches, wie die Hirnforschung beobachtet hat. Erfahren die Kleinen nämlich von Anfang an, dass die Welt um sie herum sicher und freundlich ist und dass ihre Eltern sich ausreichend und feinfühlig um sie kümmern, zeigen sie folgende Grundannahmen im Leben

1. Sie wissen, dass sie wahrgenommen werden und ihre Bedürfnisse von Bedeutung sind. Empathische­ Eltern antworten auf die Signale, die das Baby ausssendet, unmittelbar und feinfühlig. Ihre Spiegelneuronen empfangen die Signale des Babies und sind dazu in der Lage sie richtig zu deuten. Sie reagieren auf Weinen, indem sie das Kind auf den Arm nehmen und es trösten, sie wissen, wann es gehalten, gestillt oder gefüttert werden­ möchte.­ 

Darüber hinaus vertreten sie die Grundannahme, dass das Baby ein auf ihre liebevolle Hilfe und Fürsorge angewiesenes Wesen ist und aus diesem Grund weder ein „Zuviel“ verwöhnen, noch ein, wie man früher dachte, „verziehen“ statt finden kann.

In diesem geschützten und vor allem sicheren Seelenraum entwickeln sie nicht nur die positive und freudvolle Lust auf das Leben, sondern auch das Lernen. 

Es zeigt sich, dass Kinder, die das erleben, deutliche weniger Probleme in der Schule haben, als Kinder, die das nicht erlebt haben. Erstaunlich nicht wahr? Da wäre es vermutlich bei Lernschwierigkeiten oder ADHS Diagnose durchaus angebracht, dem Kind nicht nur Nachhilfe oder Ritalin und andere Substanzen zu verordnen, sondern das erlernte Bindungserleben genauer zu analysieren und entsprechende Hilfestellung anzubieten. 

Im letzten Absatz dieses Artikels erkläre ich dazu die entsprechenden 4 Bindungstypen und ihre Folgen für Kinder und Erwachsene.

Außerdem sind Kinder, die von Geburt an ein wohliges zu Hause und fürsorgliche Kindheitsbegleiter erleben; 

2. später in der Lage, ihr Leben selbstständig zu organisieren, sich mit anderen Kindern, die Welt zu er­schließen und als Erwachsene glückliche und tragfähige Beziehungen einzugehen.

Die Liebe der Eltern macht also nicht nur glücklich, sondern auch schlau!

Dass der Hirn­forscher Hüther die Liebe für so bedeutsam hält, hat einen guten Grund: 

Die emotionale Umgebung, in die ein ­Kind hineingeboren wird, hat gro­ßen Einfluss darauf, wie sich das Nervensystem des kleinen Menschen entwickelt. 

Geraten die Kleinen bereits als Neugeborene unter Druck, etwa weil es ihnen an Zuwendung fehlt, schüttet der Körper vermehrt Stress­hormone (Kortisol) aus – und das wirkt sich auf die Gehirnentwicklung aus. „Intelligenz”, sagt beispielsweise der Pschologe John Medina, “entwickelt sich vor allem in den Armen liebevoller Menschen.” 

Eine Studie von Forschern der Florida International University will außerdem herausgefunden haben, dass Freunde, die man in Kindertagen hatte, maßgeblich an der Entwicklung des eigenen Intelligenzquotienten beteiligt waren. Auch hier geht es um Bindung.

Was passiert also, wenn Eltern und Kinder dieses ­entscheidende Band nicht knüpfen, zeigte ­­eine Längsschnittuntersuchung an Heimkindern. 

Lebten diese länger als 18 Monate ­ohne feste Bezugsperson, lernten sie noch zehn ­Jahre später schlechter und waren sozial bedeutend auffälliger.

Liebe macht also gesund, ­sozial, stressresistent und schlau. 

Mit einem Wort: glücklich. 

Und das liegt, zumindest in den ersten Jahren, an den Kindheitsbegleitern und Bezugspersonen. Dachte man früher in der Psychotherapie dass es hauptsächlich  oder ausschließlich an der Mutter liege, so spielt der Vater, sowie Kita- Betreuerinnen, Babysitter und Verwandte dabei ebenso eine große Rolle.

Erfreulicher­weise machen die meisten Eltern im Umgang mit ihren Babys in­s­­­tinktiv alles richtig. 

Das Problem ist meist, dass sie sich durch Aussagen Dritter oder Recherchen im Internet, oftmals in ihrer eigenen, natürlichen Kompetenz verunsichern lassen. Oder, falls sie selbst keine angenehme Kindheit oder traumatische Erlebnisse hatten, diese nicht ausreichend aufgelöst haben und somit unbewusst diese Art der Bindung nicht statt finden kann. 

Denn eine liebevolle und sichere Bindung wirkt noch viel länger fort, als die ersten Lebensjahre. 

Und da ­beginnt manchmal das Problem.

Ein Kind durchs Leben zu begleiten, soll Eltern in erster Linie Spaß machen, das brauchen Kinder auch, um sich emotional gesund entwickeln zu können. 

Viele Eltern haben heute unglaubliche Angst davor, in der Erziehung etwas falsch zu machen. 

Auch diese Angst ist auf einem positivem Fundament begründet, dass Eltern in erster Linie, das Beste für ihre Kinder wollen. 

Aus diesem Grund haben viele von ihnen, den Eindruck, sie müssten die Kinder ausreichend fördern und auf ein erfolgreiches und glückliches Leben vorbereiten. Daraus resultierend, traut sich beinahe keiner mehr von ihnen, einfach mal das Leben gemütlich und aus der eigenen Intuition heraus laufen zu lassen. 

Der Anspruch der Eltern an sie selbst ist, dass alles pädagogisch sinnvoll sein muss. In Social Media Kanälen gibt es für beinahe alle Extravaganzen dazu schon Gruppen. In diesem scharen und tümmeln sich Eltern, die sich gegenseitig Anregungen und Tips zur besten Erziehung geben. Das Problem ist: meist sind darin nur individuelle Erfahrungswerte und Meinungen vertreten, selten fachkundiger Rat. Und irgendwie meine ich ein „sich gegenseitiges Hochpushen heraus zu lesen.“

„Mein Kind kann schon das Alphabet und ist erst vier.“ 

„Mein Kind geht aufs Töpfchen, mit anderthalb.“

„ Mein Baby schläft durch und ich kann tagsüber mitnahm überall hin gehen, es weint nie“

„Mein Kind macht überhaupt keine Anstalten, es lässt sich mühelos bei Dritten abgeben“ (warum das gefährlich sein kann und was dahinter steckt, findest du in den letzten Absätzen)

Dadurch entsteht bei vielen ein Innerer Druck oder das Gefühl, etwas falsch zu machen. 

Da die Vielfalt der Meinungen und Erfahrungen groß ist, sind diese Gruppen oftmals, besonders für orientierungssuchende Eltern, ein weiterer Verunsicherungsfaktor. 

Googeln und recherchieren Eltern dann noch im Netz und lesen die unterschiedlichen Ansichten in Erziehungsfragen, ist die Verunsicherung noch größer. Irgendwann hören Eltern dann nicht mehr auf ihr intuitives Bauchgefühl, einfach aus Informationsüberfluss. 

Je mehr Informationen das Gehirn zu filtern hat, umso eher ist es damit auch überfordert. Diese Überforderung führt zu Unschlüssigkeit und Verunsicherung und genau das beeinflusst die gesunde und sichere Bindung zu den Kindern.

Der Schatz der eigenen Intuition

Eltern, die in der Lage sind, sich ihre intuitive Kompetenz, wie einen Schatz zu bewahren und ein halbes Stündchen nach der ­Arbeit erst mal mit ihren Kindern kuscheln, Spaß haben oder einfach nur gemeinsam kochen, und den Sonntag auch mal „verbummeln“ schaffen Raum für eine individuelle Familientradition, fern aller Erziehungsratgeber, Musikschulen, Social Media, Tanzgruppen und anderen Verpflichtungen. 

Dieser familiäre Zusammenhalt hält dann auch der kritischen Pubertätszeit Stand. Denn Jugendliche haben eine feste Form der Familientraditionen erfahren und es zeigte sich, dass sie darauf auch weiterhin wert legen und diese Zeit mit der Familie auch nicht missen wollen. 

Aber was genau stärkt nun die sichere Bindung und macht langfristig glücklich?

Die Grundsätzliche Lebenseinstellung der Dankbarkeit ist laut dem Forscher Dr. Medina aus den USA, ein Hauptgarant für Glück, vor allem in der Familie. 

Ich persönlich habe bereits ein Bücherregal voller kleiner Dankbarkeitsnotizen über die letzten Jahre gesammelt. Darin schriebe ich täglich in etwa fünf Minuten lang, wofür ich dankbar bin. 

Vergeben: Wer dazu in der ­Lage ist, anderen zu verzeihen, lebt nachweislich fröhlicher. 

Vergebung heißt hier nicht, dass man das was der andere getan oder unterlassen hat, für gut heißt, sondern lediglich, dass man nicht länger bereit ist, aufgrund dessen Tun zu leiden. 

Wer sich entschuldigen kann, lebt auch glücklicher! Wobei eine Entschuldigung nur dann wirklich für beide Seiten heilsam ist, wenn sie ernst gemeint und aus dem Herzen kommt. Vor allem jedoch, wenn Einsicht entstanden ist und entsprechend Handlungsschritte folgen. 

Empathie entwickeln: 

Empathie ist tatsächlich erlernbar. Man hat Kinder von sehr feinfühligen Eltern beobachtet und fest gestellt dass diese daraufhin ebenso empathisch reagieren könnten. Wohingegen sich Kinder von sehr lieblosen Eltern oftmals schwerer damit tun. 

Wenn jemand starke Emotionen zeigt, sollte man ihn nicht negativ bewerten – sondern ihm empathisch begegnen. Zum Beispiel so: “Ich merke, du siehst gerade ziemlich sauer aus. Hängt es vielleicht damit zusammen, dass es heute in der Schule nicht gut gelaufen ist?” Dabei können Eltern im Umgang große Vorbilder sein. 

Liebes und Glückssätze mitteilen: 

Das Gefühl, geliebt zu werden und nicht allein zu sein, macht glücklich und stark. “Wir lieben dich, so wie du bist”, ist so ein Glückssatz. Oder: “Wir sind immer für dich da, egal was passiert.” 

Wenn das Kind dann auch noch erlebt, dass dieser Satz wahr ist, der Realität und dem eigenen Erleben entspricht, kann es sich auch darauf verlassen und dadurch Selbstvertrauen aufbauen.

Was sind aber nun die Bindungsmuster?

Es gibt vier verschiedene Hauptbindungstypen:

1, Sicher gebundene Kinder reagieren sofort, sobald die Mutter den Raum verlässt. Sei beginnen zu weinen, suchen nach der Mama und Beruhigen sich, sobald Diensteifer in der Nähe ist. Kleine Kinder, mit sicherer Bindung, erkennen, die Bezugsperson als eine verlässliche Basis an, von der sie sich einerseits entfernen können, aber zu der sie andererseits auch jederzeit in bedrohlichen Situationen zurückkehren können und Schutz und Geborgenheit bekommen. 

Kinder, die schon etwas älter sind, wissen um die Verlässlichkeit ihrer Bezugsperson und äußern das auch selbstbewusst. 

Sicher gebundene Jugendliche und Erwachsene sind in der Lage, dass sie offen sowohl über positive als auch über negative emotionale Ereignisse aus ihrer Vergangenheit sprechen können. Sie begegnen dem Leben mit Offenheit und einer positiven Grundhaltung. Sie sind in der Lage sich bei Herausforderungen Hilfe zu holen und aus Krisen mit erneutem vertrauen ins Leben heraus zu gehen. Für sie ist die Welt kein Haifischbecken, sondern ein Ort, den sie entdecken und aus dem sie vieles Schöne ziehen können.

2, Bei den unsicher-vermeidend gebundenen Kindern hingegen lässt sich schon eine reduziertere Aktivierung ihres  Bindungssystems beobachten, sobald Mama oder Papa oder Bezugsperson den Raum verlässt. Sie reagieren auf die Trennung gleichgültig und sind gegenüber der Mama bei ihrer Wiederkehr eher abweisend. Kleinkinder dieses Bindungsmusters haben die Erfahrung gemacht, dass sie in bedrohlichen Situationen auf sich allein gestellt sind und keine besondere Fürsorge der Bezugsperson erfahren. Um dem unangenehmen Gefühl der Ablehnung zu entgehen, versuchen diese Kinder das Bindungsverhalten zu unterdrücken oftmals meinen Erwachsene, sobald sie ihr Kind in Kita oder Kindergarten, bei Oma und Opa oder Babysitter abgeben: Wenn es nicht weint, ist es brav, es ist alles in Ordnung und ich kann ohne weiteres gehen.“ dabei wird verkannt, dass ein „Nicht reagieren“ des Kindes auf den Abschied kein sicheres Bindungsverhalten und somit ein Problem darstellt. 

Sicher gebundene Kinder, weinen oder protestieren beim Abschied. 

Ältere Kinder vermeiden in Geschichten oder Spielen negative Gefühle und konzentrieren sich auf die Abläufe des Tagesgeschehens. 

Bei Jugendlichen und Erwachsenen mit einer unsicher-vermeidenden Bindung erkennt man eine Vermeidung der negativen Emotionen noch immer deutlich. Auf negative Ereignisse wird nicht weiter eingegangen und es wird eine Maske der Gleichgültigkeit aufgesetzt.

Menschen die behaupten, es wäre Ihnen egal, wenn etwas negatives geschieht, haben ein Stück ihres Vertrauens ins Leben verloren und schützen sich durch diese Relativierung der Ereignisse. 

Wenn man allerdings den Kortisolspiegel (stresslevel) der betreffenden Kinder und Personen mit unsicherem Bindungsverhalten musst, ist leicht zu erkennen, dass dieser deutlich erhöht ist.

Menschen, die sich Stress nicht anmerken lassen, haben diesen sehr stark in sich. Wenn man als erwachsener Mensch dann auf Hilfe angewiesen ist, wird man sich eher zurück ziehen, es alleine regeln wollen und Hilfe ablehnen. 

Man kann irgendwie nicht glauben, dass andere oder das Universum und Leben selbst einem behilflich sein können. Viele verbringen ihre Zeit mit Hobbys die sie alleine ausführen können oder in der Natur und mit Tieren. Begegnungen und Beziehungen sind dort sicher. Es erwartet sie weder ein Konflikt, noch unangenehme Ereignisse.

3, Bei dem unsicher-ambivalenten Bindungsmuster wird das Bindungssystem zwar noch stärker als bei den sicher gebundenen Kindern aktiviert, das Kind beruhigt sich allerdings nur sehr langsam, nachdem Mama zurückgekehrt ist. Sie können sich auf Mama, oder die Bindungsperson, nicht verlassen und sind permanent in einer inneren Aufruhr weil sie nicht wissen, was als nächstes geschieht. 

Werden sie älter Spiegeln sie oftmals die Hilflosigkeit und Unsicherheit ihrer Kindheitsbegleiter. Sie sehen sich schwierigen Situationen im Leben ebenso hilflos ausgeliefert, ohne irgendwo Schutz und Sicherheit suchen zu können.

4, Unsicher-ambivalent gebundene Jugendliche und Erwachsene teilen sich in drei Gruppen: 

1, Sie beschreiben die Beziehung zu den Eltern ausschließlich schön. 

2, Gruppe geht nicht weiter auf die schwierige Beziehung zu den Eltern in der Kindheit ein, sondern beschreibt die Beziehung zu den Eltern jetzt.

3, Gruppe ist ängstlich wenn es über früher erlebte, leicht traumatische Ereignisse spricht. 

Bedauerlicherweise werden diese Kinder in die ADHS Schublade gesteckt. Dahinter steht jedoch oftmals kein Problem des Kindes sondern oben erwähnte Punkte

Diese Menschen sind sehr unsicher in Beziehungen. Sie gehen sie ein, zweifeln dann aber wieder am Bestand oder der Zuverlässigkeit, also gehen sie ihr wieder aus dem Weg. Fernbeziehungen sind da in der Regel als Erwachsene das angenehmste Model für die Betroffenen. 

Bei Problemen wenden Sie sich an Hilfesuchende, befürworten deren Hilfe, lehnen sie danach jedoch wieder ab. Es ist auch in der Therapie mit diesen Menschen sehr herausfordernd Termine zu finden. Sie vereinbaren, sagen dann aber wieder ab. Es braucht den Aufbau eines großen Vertrauens, dass die betroffenen eine zuverlässige Bindung erlernen. 

Die Kinder, die keinem dieser Muster zugeordnet werden konnten, wurden Mitte der 80er-dem so genannten unsicher-desorganisierten Bindungsmuster zugeordnet. 

Die Kinder dieses Musters sind noch stärker ambivalent ihrer Mutter gegenüber als die unsicher-ambivalent gebundenen Kinder. Mein Lehrtherapeut Prof. Dr. Brisch schreibt über diesen Bindungsstil: „Dass das Bindungssystem der Kinder zwar aktiviert ist, ihr Bindungsverhalten sich aber nicht in ausreichend konstanten und eindeutigen Verhaltensstrategien äußert.“ Einige dieser Verhaltensweisen waren beispielsweise sehr lautes Schreien, ungerichtetes Schlagen des Gesichts (oft der Augen) der Eltern, Bewegungsstereotypien, asymmetrische und zeitlich nicht abgestimmte Bewegungen und Haltungsanomalien, Einfrieren, Erstarren des Ausdrucks oder insgesamt verlangsamte Bewegungen und Ausdrucksbewegungen.“ 

Wie kommt es dazu?

Zum einen kann es auf ein erlebtes und nicht ausreichend bearbeitetes Trauma oder eine psychische Erkrankung aufseiten der Bindungsperson hindeuten. Das würde erklären warum das Kind entsprechend reagiert, aber die Bindungsperson das Kind nicht beruhigen kann- weil diese selbst traumatisierte ist und deshalb weder Schutzquelle noch Sicherheit für das Kind darstellt.. 

Eine andere Möglichkeit als Auslöser für das desorganisierte Verhalten des Kindes könnte ein extrem ambivalentes Verhalten der Bezugsperson gegenüber dem Kind sein. Das Kind kann also die Reaktion der Mama oder des Papas / Bindungsperson beispielsweise auf Stress nie einschätzen. Es weiß einfach nie was passieren wird. 

Eine weitere Erklärung können Misshandlungen und Missbräuche der Bezugsperson gegenüber dem Kind sein. Laut Dr. Brisch weisen bis zu 80% der Kinder, die unter schwierigen Lebensumständen aufwachsen, wie beispielsweise Vernachlässigung oder Missbrauch oder ein psychisch erkranktes Elternteil, desorganisierte Handlungsweisen auf. 

Kinder aus nicht problematischen Lebensverhältnissen hingegen nur zu 15%.

Da das Bindungsverhalten, flexibel ist, kann sich eine unsichere Bindungsqualität durch entsprechend positive Erlebnisse einer sicheren annähern und umgekehrt Beispielsweise kann durch die Fremdunterbringung in einer Pflegefamilie eine Veränderung der Bindungsqualität bei dem Kind erreicht werden. Oder, wenn Kinder eine sichere Bindungsperson als permanente Betreuung erleben. Erwachsene die sich in eine Beziehung mit eine sicher gebundenen Menschen begeben erleben ebenso eine Veränderung in ihren Bindungsverhalten. Und genau hier ist die Therapie so wichtig. Menschen müssen darin die Erfahrung machen, dass hier jemand ist, der zuverlässig, feinfühlig und konstant auf ihre Empfindungen eingeht. 

Man kann diesen sehr heilsamen Vorgang als „ Nachbeelterung“  bezeichnen. 

Alles in allem wünsche ich mir, dass der Bedeutsamkeit von Bindung mehr Raum und Gehör verschafft wird und Eltern bereits beim Geburtsvorbereitungskurs darüber in Kenntnis gesetzt werden.

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