Epikur prägte gut 300v. Chr. den Begriff der Ataraxie. 

Das bedeutet Seelenruhe.

Ich finde diesen Begriff, der schon seit über 2000 Jahre existiert, wundervoll und habe ihn etwas tiefer beleuchtet. 

Als ich 16 Jahre alt war begegnete er mir zum ersten Mal, im Altgriechisch Unterricht, denn da müssten wir Epikur übersetzen. 

Damals dachte ich mir: Seelenruhe. Das klingt schön. Ich fragte mich: „Hat die Seele erst dann ihre Ruhe, wenn wir gestorben sind, oder strebt sie zu Lebzeiten bereits danach?“

Ich glaube, wenn wir den Punkt in unserem Leben erreichen, an dem unsere Seele eine tiefe Ruhe empfindet, sind wir bereit unser Leben frei, ungezwungen, glücklich und gelassen zu erleben. Erst dann, wenn wir der Seele den Raum geben, sich im Leben zu entfalten, kann sie auch ihre Ruhe finden- vor dem irdischen Ableben.

Solange unsere Seele sich jedoch unruhig durchs Leben „probiert“, weil wir sie durch die Haltung, die wir dem Leben gegenüber eingenommen haben, permanent in diese Unruhe versetzen, laufen wir Gefahr ein ziemlich verwirrendes und unentspanntes Leben zu führen. 

Als Ergebnis dieser Unruhe und Verwirrung, leben wir an Orten, die uns nicht gut tun, machen einen Job, der uns wie ein Käfig vorkommt, verbringen Zeit mit Menschen, die uns innerlich aufwühlen, heiraten Partner, die unsere Seele verkümmern lassen und befassen uns mit Dingen, die uns einschränken. 

Das alles befriedigt die Seele nicht und lässt sie weder ruhig, noch entspannt sein.

Meine Begegnung mit dem Dalai Lama

Kennst du Menschen, die eine so große innere Ruhe ausstrahlen, dass du davon ganz ergriffen bist und denkst: „so will ich mich auch fühlen und auf andere wirken.“

Als ich vor elf Jahren zum ersten Mal dem Dalai Lama begegnete, ging es mir genauso. 

Mir kullerten die Tränen herunter, weil mich diese Seelenruhe, die von ihm ausging ganz tief berührte. Meine eigene Seele rief mir innerlich zu: „komm schon, lass uns alles dafür tun, damit wir uns auch so ruhig und gelassen fühlen können.“

Mein Innerstes verspürte so eine Sehnsucht nach dieser Seelenruhe. Diese unfassbare Kraft und Wirkung, die von einem Menschen ausgeht, der ganz bei sich ist, Gelassenheit, Mitgefühl, Liebe und Frieden ausstrahlt imponierte mir so sehr, dass ich mir überlegte: 

Was genau braucht es, um Seelenruhe zu empfinden?

Also lernte ich von all jenen, die auf mich diese Seelenruhe ausstrahlen und habe 7 Wege zur Seelenruhe zusammen gefasst:

(1) Gelassenheit

Wenn wir in der Lage sind, angesichts eines Problems zu sagen: „Es ist halt so.“ trägt das unglaublich zur Seelenruhe bei. 

Da Entspannt sich schon einiges in uns, alleine, wenn man nur daran denkt. Denn es beinhaltet, dass sie Ja sagen. Ja zu dem, was das Leben uns gerade zuwirft. 

Das bedeutet nicht, dass wir aufgeben oder die Verantwortung für unser Leben abgeben und sagen: „Ein anderer wird es schon wieder gerade rücken.“ Es bedeutet ebenso wenig, dass wir „alles über uns ergehen lassen“ und untätig sind. 

Es bedeutet lediglich, dass wir die Waffen beiseite legen und den Kampf beenden.

Den Kampf gegen all das, was das Leben einfach mal so mit sich bringt. Vor allem den einen Freund, namens Alltag. Denn gerade im Alltag glauben wir, keine Ruhe finden zu können. Oftmals weil er einfach zu „stressig“ ist, wir uns ihm hilflos und ohnmächtig ausgeliefert fühlen und meinen, er überrollt uns Tag ein Tag aus. 

Das Leben will manches Mal mit uns Ball spielen. Vor allem im Alltag. 

Es wirft uns immer wieder Bälle zu und fordert uns auf, diese zurück zu spielen. Einfach so. Mal eben. 

Wir sind es, die entscheiden auf welche Weise wir das tun. 

Das vergessen wir nur allzuoft und reagieren, sobald er auf uns zu geflogen kommt. 

Ist uns ein Ball zu schwer, um ihn augenblicklich wieder zurück zu spielen, dürfen wir sagen: 

„Ich lass ihn mal liegen und schaue, was ich an Muskeln brauche, um ihn überhaupt spielen zu können.“

Dann ziehen wir im besten Fall los und eignen uns Ressourcen an, also Muskelkraft, um ihn spielen zu können, oder wir holen uns Hilfe- auch das geht;). 

Wenn ich beispielsweise zurück denke an mich selbst, vor einigen Jahren, muss ich kopfschüttelnd schmunzeln. Und vielleicht geht es dir genauso?

Wie oft habe ich versucht an Schrauben zu drehen, die sich einzig und alleine durch Zeit und Geduld lockern ließen.

Wie oft wollte ich den anderen ändern und verzweifelte dabei, weil es einfach unmöglich ist. 

Es kostet nur Kraft und letzten Endes auch die Nähe und Beziehung zum Gegenüber.

Die ein oder andere Situation wollte ich früher auch einfach aus meinem Leben löschen oder unbedingt die eine ultimative Lösung finden.

Ich schraubte und schraubte und schraubte…

Je fester ich an ihnen drehte, umso stumpfer wurde der Schlüssel und umso schwächer mein Arm. 

Jetzt, nachts, wenn ich mein Baby im Arm habe, es herum trage, weil sie nicht schlafen kann, dann erleichtert mir die Lebenserfahrung, meine erlernte Gelassenheit und der Satz:“ Es ist halt so“ so unglaublich vieles.

Ich weiss, diese Zeit geht vorüber, wie alles andere, das anstrengt und von uns absolute Präsenz fordert ebenso.  Irgendwann früher oder später, wird mein kleines Baby durchschlafen können und wir beide erinnern uns nur noch dumpf an die erste Zeit als Neugeborenes. 

Früher, bei meinem ersten Kind dachte ich noch: „meine Güte, warum schläft sie nicht.“ 

Dieser Gedanke nahm mich ein, ich kämpfte innerlich gegen die Tatsache, dass Neugeborene manches Mal einfach nachts wach sind, ich suchte nach Lösungen für etwas, das sich aus seiner Natürlichkeit heraus wieder ändern wird.

Wenn ich, wie heute Nacht eine Stunde auf und ab gehe mit ihr im Arm, nutze ich diese geschenkte Zeit, anstatt gegen sie anzukämpfen.

Ich meditiere

Ich schreibe, wenn ich die kleine im Tragetuch habe, an diesem Text

Überlege mir Inhalte für meine kommenden Vorträge

Lausche der Ruhe meiner Seele

Oder beobachte einfach dieses kleine liebevolle Geschöpf

Ich habe durch: „Es ist halt so“ gelernt, das Beste aus diesen Zeiten zu machen. 

Gelassenheit lässt uns zwischen jenen Situationen, die von sich aus wieder verschwinden, und Jenen, in denen wir aktiv werden müssen, unterscheiden. 

Wie oft ertappt man sich dabei, dass man innerlich unruhig und überspannt ist, mit sich selbst so unglaublich ungeduldig ist, dass ein Elefant im Porzellanladen noch leiser ist, als die Stimme in uns: 

Bin ich gut genug?

Mach ich alles richtig?

Was, wenn morgen mein Job weg ist? 

Hoffentlich finde ich bald einen passenden Partner, meine biologische Uhr tickt!

Ach du liebe Zeit, nervt mich diese neue Kollegin, die bringt einen ja zur Weißglut!

Warum nur lehnen mich so viele ab?

Wann fragt er mich endlich, ob ich ihn heiraten will?

Ich muss zur Apotheke, nicht, dass ich noch krank werde, hab noch so viel zu erledigen…usw

Darin findet die Seele keine Ruhe. Da erinnere ich mich an die Zeit meiner Kindheit,  in der ich am Bauernhof lebte. Unser Labrador jagte liebend gern die Hühner, die dadurch aufgescheucht und rastlos umher liefen. 

Wir sind genauso und laufen solange wie aufgescheuchte Hühner durch die Gegend, bis wir begreifen, dass unsere Seele, wie ein gut markierter Wanderweg ist, der uns, sofern wir darauf achten, genau dahin bringen wird, wo wir auch hin wollen. 

Das ist Gelassenheit.

Wer ist unser Labrador?

Wer scheucht uns durchs Leben? 

Der Seele und ihren Wegen Vertrauen schenken, braucht einen Hund, der an der Leine geht.

Sind wir dabei ungeduldig oder wissen es besser, werden wir immer wieder Umwege gehen. 

Und diese sind es letzten Endes, die uns in Aufruhr versetzen und unser inneres Gleichgewicht durcheinander bringen. 

Gelassenheit brauchen wir in allen Bereichen des Lebens:

Beruflich sind wir dann erfolgreich, wenn unsere Seele, mit dem, was wir täglich tun, Ruhe empfindet. 

Partnerschaftlich sind wir dann erfüllt, wenn unsere Seele Frieden in sich gefunden hat, und die Seele des anderen einfach so sein lassen kann, wie sie ist. 

Veränderung, Frieden, Liebe und Wachstum geschehen hier durch die Verschmelzung beider Seelen innerhalb einer gemeinsamen Schnittmenge. 

(2) Weg zur Seelenruhe: Achtsamkeit für mich, meine Bedürfnisse und andere

Wenn wir achtsam sind, bedeutet das, dass wir dazu in der Lage sind, unsere Gefühle wahrzunehmen und ihnen den Raum zu geben, der notwendig ist, damit unsere Seele friedvoll ihren Weg gehen kann. 

Allzuoft übergehen wir unsere Gefühle, auch jene der anderen. 

Ein achtsamer Mensch begegnet sich selbst und anderen mit Bedacht, Präsenz und Mitgefühl.

Das kann man üben. Indem man sich fragt: 

Wie geht es mir jetzt in diesem Augenblick und in dieser Situation wirklich? 

Woher kommt dieses Gefühl? 

Ist es alt, aus meiner Kindheit?

Was müsste ich denken oder sehen, damit ich mich besser fühle?

(3) Akzeptanz

Sobald wir uns und andere genauso annehmen können, wie wir und sie sind, Akzeptieren wir sowohl die Gemeinsamkeiten, als auch die Unterschiede zwischen uns Menschen.

Das ist eine hohe Kunst, ich weiß. Strengt auch an. 

Denn Akzeptanz heißt: ich kann dich sein lassen, wie du bist.

Das zu verstehen und danach zu leben, dient der Seelenruhe enorm.

Auch wenn wir lernen, vieles in unserem Leben, so zu akzeptieren, wie es ist, dient das der Seelenruhe.

Wir können unsere Vergangenheit nicht mehr ändern. 

Wenn wir das nicht akzeptieren, wird unsere Seele nie Ruhe finden. 

Sie wird in alte Zeiten Katapultiert und bekommt die unmögliche Aufgabe, zu reparieren, was unwiderruflich ist. 

Wenn wir ihr jedoch erlauben im Hier und Jetzt anzukommen, kann sie im hier und jetzt wirken. Und das in aller Ruhe.

(4) es braucht schon viel Mut gelassen und entspannt die Seele in Ruhe ihren Weg gehen zu lassen.

Wie oft spricht sie zu uns und sagt:“Bitte ändere deine Gewohnheiten, deinen Job, deine Beziehungen, deine Denkweise…“ und wir hören nicht auf diese zarte und weise Stimme in uns, weil der Mut fehlt. 

Dann werden wir entweder verbittert, krank, süchtig oder rastlos. 

Denn wenn die Seele ruft, jedoch unerhört bleibt, findet sie andere Wege, um sich Gehör zu verschaffen.

Darum brauchen wir Mut. 

Mut zur Seelenruhe. 

Mut zur Veränderung. 

Mut zum Handeln. 

Denn auch dies lässt die Seele Ruhe finden.

(5) Balance und der goldene Mittelweg

Alles, das aus dem Gleichgewicht gerät, stiftet Unruhe und Rastlosigkeit. 

Arbeiten wir zu viel, erschöpfen wir uns. 

Erschöpfung ist stets ein Zeichen dafür, dass wir Zuviel gegeben haben

Arbeiten wir zu wenig, werden wir träge und müde. 

Depressionen und Ängste schleichen sich ein, wenn wir unser Potential nicht ausschöpfen. 

Darum ist das rechte Maß, wie Aristoteles sagte, so enorm wichtig. 

Vor allem für unsere Seelenruhe.

(6) Geduld

Vieles im Leben braucht einfach nur etwas Geduld. 

Sehen wir uns die Jahreszeiten an. 

Sie unterliegen natürlichen Zyklen, genauso wie der Mensch. 

Wenn wir im Winter zum Apfelbaum gehen, dagegen treten und rufen:“Wirf endlich einen Apfel herunter“ werden unsere Füße wund, die Kraft erschöpft und der Glaube gedämpft. 

Warum?

Der Baum trägt Äpfel. 

Nur nicht jetzt. 

Jetzt ist Winter. 

Die Zeit der Stille und Ruhe. Genauso ist es mit allem anderen im Leben.

Allzuoft treten wir gegen unser Selbst und den Rhythmus unserer Seele. 

Wir erschöpfen uns, indem wir unmögliches fordern.

Wir müssen lernen die Zyklen zu erkennen.

Dann findet unsere Seele Ruhe.

Auch für uns gibt es Erntezeit. Ruhezeit. Saatzeit. Blühzeit.

Wenn wir damit beginnen, auf unsere Seele zu hören, können wir auch in uns selbst ruhen, denn sie weiß genau, in welcher Jahreszeit wir uns gerade befinden, was wir brauchen und wie wir vorgehen sollen.

(7) Präsenz

Im Hier und Jetzt sein, in genau diesem Augenblick zu verweilen, ermöglicht uns den süßen Duft der Seelenruhe einzuatmen. 

Erinnere Dich an eine Zeit, vielleicht im Urlaub, in der du so richtig erholt und entspannt einfach nur aufs Meer hinaus gesehen hast, von einem Berggipfel aus die Weite genossen oder den klaren Fluss unter deinen Füßen gespürt hast.

Da warst du ganz da. 

Ganz in diesem einen Moment. Im Hier und Jetzt.

Deine Seele hatte Ruhe von all den Sorgen, dem Alltag und der Rastlosigkeit.

Sie durfte sein. 

Im Hier und Jetzt. 

Nicht im Morgen. 

Und nicht im Gestern. 

Erinnere Dich und fühle die Kraft deiner Seele, wenn sie zur Ruhe kommt…

Ich merke jetzt, in meinem Wochenbett, wieder einmal wie unendlich kostbar diese Auszeiten für die Seele sind. 

Wie wertvoll es ist, seiner Seele den Raum zu geben, und ihr zu erlauben, uns auf eine Reise mitzunehmen. 

Eine Reise zu ihren einzigartigen Begabungen, Schätzen, Visionen und Träumen.

Dafür braucht sie Zeit. 

Zeit, in der du ihr erlaubst,  dich in ihre Welt mitzunehmen. 

An den Ort, an dem es keine Probleme, keine Sorgen oder Ängste gibt, einfach nur das Wissen: 

„Alles ist gut, so wie es ist.“

Und genauso ist es.

Klicke hier auf eine Meditation, die ich für dich eingesprochen habe. 

Sie täglich zu hören hilft dir dabei, wieder zur Ruhe zu kommen, Kraft zu schöpfen und der Seele und ihren Botschaften lauschen zu können.

Link zur Meditationsgruppe

Von Herzen,

Deine Katharina 

%d Bloggern gefällt das: