Viele von uns haben verdammt große Angst vor Nähe.

Denn Nähe bedeutet: „Ich zeige mich dir, genauso, wie ich bin“

Und das macht Angst.

Doch in Wahrheit, ist es nicht die Nähe, die uns ängstigt.

Sondern die Angst nicht geliebt zu werden, und zwar genauso, wie man ist.

Die Angst, im Moment der Schwäche abgelehnt zu werden.

Nicht gut genug zu sein.

Denn sobald die Masken fallen und wir uns zeigen, mit all dem, was wir in uns tragen, sind wir nackt und somit schutzlos.

Sich diese „Blöße zu geben“- das ist es, was wir vermeiden- und zwar mit allen Möglichen Strategien:

Die „Alles ist gut“ Strategie heißt:
ich zeige dir nicht, wie es in mir drin aussieht.

Die „Bei mir ist alles ok“ Strategie heißt :
Ich hab alles im Griff- Kontrolle ist meine Macht. Komm mir bloß nicht zu nahe und ertappe mich in meiner Hilflosigkeit.

Die „ ich helfe dir- und lenke dadurch von mir ab“
Strategie heißt :
Ich mach es besser als du, das gibt mir das Gefühl der Sicherheit, doch noch etwas „hinzubekommen“. Außerdem lenkt es mich ab von meinen eigenen Themen.

Die „Ich zeige dir, wie gut ich bin und gebe Vollgas“
Strategie heißt:
wenn ich alles gebe, kann ich nie etwas das mir wichtig ist verlieren und diese Kontrolle kann ich nicht abgeben. Ich stelle mich über alles und jeden- das gibt mir absolute Sicherheit.

Die „Du bist Schuld!“ Strategie heißt:

Ich lenke von mir ab, das ist einfacher und sicherer. Verantwortung abgeben, ist meine Überlebensstrategie.

Die „ Mich geht das nichts an- kümmere du dich darum und lass mich in Ruhe“ Strategie heißt:
Ich hab schon lange den Kopf in den Sand gesteckt. Ich gebe meine Verantwortung in deine Hände. Ich kann und will das Leben alleine nicht bewältigen.

Die „Geh weg- ich brauch dich nicht“ Strategie heißt:
Ich bin so verletzt und enttäuscht, dass ich mich nur noch auf mich selbst verlassen kann.

Gerade in dieser „Hyper- Funktionalen- Perfektionswelt“ finden sich kaum noch Menschen, die den Mut haben sich ohne Masken zu zeigen- nachvollziehbar- denn es gibt nur wenige die die Schönheit darin erkennen aber auch „aushalten“ können.

Sobald sich jemand oder etwas in uns zeigt, werden Ratschläge erteilt, Strategien gewählt, wie man den Fehler beheben kann.

Sehr Kreativ sind wir, wenn es darum geht, aus uns jemanden zu machen, der alles im Griff hat und das Beste aus sich herausholen kann.

Doch was oder wer ist das Beste in uns?

Ist es tatsächlich das Hyper- Funktions- Ich?

Welches das Selbst durch die Schleuder der Persönlichkeitsentwicklung gedreht hat und nun in der Lage ist, frei von Angst- was für eine Illusion- mit Schwert und Paukenschlag in den Händen, allen Widerständen zum Trotz, jede Herausforderung überwinden kann?

Freunde, das kann als sinnvolles Ziel nicht akzeptiert werden.

Ein sich in seiner vollen Gänze Zeigender werden, ohne Schwert und Pauken in den Händen, ohne Kampfansage in der Stimme- das müssen wir gemeinsam wieder anstreben und als Gesellschaft lernen.

Die Räume gemeinsam erschaffen, die es möglich machen, einander die „Blöße“ geben zu können- sich in allen Facetten- mit allem, was an Schönheit, aber auch an Abgründen und Ängsten in uns ist, zeigen zu können.

Respekt und Wertschätzung haben etwas damit zu tun, den anderen so zu sehen und sein lassen zu können, wie er ist. Ohne dessen Gefühle zu bagatellisieren oder zu verurteilen.

Tiefe Veränderungen im Verhalten entstehen dann, wenn wir das Gefühl haben, verstanden und gesehen zu werden.
Da reicht schon ein: „Hey, ich sehe dass du Angst hast, das ist ok. Das kenne ich.“

Kein:“ach komm, ein Beinbruch ist schlimmer“ oder ein: „ Was du immer anziehst“ oder ein: „ Meine Güte, bei dir ist aber auch immer was los.“
Das ist, als würden wir mit nur einem Schuh herum laufen und wir machen uns gegenseitig darauf aufmerksam…
Die Fakten sind klar.
Die Frage ist: wie begegnen wir einander innerhalb dieser Fakten?

Und zeitgleich ist Respekt ebenso, dem anderen, einen Raum zu eröffnen, in dem aus Angst- Vertrauen werden kann.

Das Vertrauen: „Hey, da ist jemand, der mag, hört, sieht und versteht mich, obwohl ich gerade Angst habe oder einiges nicht so rund läuft“

Wir sind so konditioniert darauf, meist aus eigener Hilflosigkeit heraus, den anderen mit unserem Rat zu erschlagen, dass wir den Menschen dahinter-ohne Masken- nicht mehr sehen können.

Wir haben so eine Angst vor dieser Blöße- das wir den anderen- mehr jedoch uns selbst- wieder ins Feld des „Hyper- Funktions- ich“ mit all unseren Tips zurück Schubsen wollen.

In Wahrheit jedoch zeigt es, wie viele von uns nie gelernt haben: „genauso wie ich bin, bin ich ok.“

Ich glaube… das ist das größte Geschenk, dass wir einander machen können

Und vielmehr- ohne es vom anderen zu erwarten- uns selbst schenken!

Was wenn wir damit beginnen uns selbst in Zeiten der Angst, des Versagens, der Not, des Fallens, gern zu haben?

Was wenn wir uns selbst, ehe wir es vom anderen erwarten, tröstend in den Arm nehmen- uns Nähe schenken, und dabei in der Lage sind, tief durch zu atmen und zu sagen: Komm, wir zeigen einander, wie wir sind“

Das „für sich selbst Dasein“ geht nur, wenn wir auch aushalten können, wenn andere für uns da sind
Das „für andere da sein“ geht nur, wenn wir auch aushalten können, wenn wir für uns selbst da sind.

Das eine geht nur durch das andere.
Das ist die menschliche Herausforderung. Die Lösung liegt in der Balance.

Und dann ist auch wieder Nähe möglich, und zwar auf einer Ebene, die von einer tieferen Ebene des Respektes, der Wertschätzung und Liebe erfüllt ist, als wir uns jemals erträumt hätten.

Das „Beste“ in uns wecken wir dann, wenn
das „Dunkelste“ in uns in den Arm genommen wird.

In diesem Sinne… zeigen wir einander, wenn wir wahrhaftige Nähe erfahren wollen…gestehen wir uns und anderen, unsere wahren Gefühle ein.

Wenn wir darin abgelehnt werden, dann nur deshalb, weil unser Gegenüber, Nähe als Bedrohung empfindet…
Lasst uns dem ein Ende setzen… indem wir den Anfang machen und keine Scheu davor haben uns in Zeiten der Freude und des Schmerzes zu zeigen…

%d Bloggern gefällt das: